​ Strategische Gestaltung der Digitalisierung

Beispielhafte Maßnahmen und Fördermöglichkeiten in der Digitalisierung. Vortragsveranstaltung 4.7.17 in Hamburg.

Die Digitalisierung sorgt für einen tiefgreifenden Wandel in jedem Lebensbereich. Befürworter sehen dabei große Chancen für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und effizienteres Wirtschaften. Der Beraterverband IBWF begleitet diesen Wandel durch beraterische Unterstützung. Dies beinhaltet auch die Prüfung und Umsetzung öffentlicher Förderprogramme.



Am 4.7. fand in den Räumlichkeiten der afm Holding AG die gemeinsam von BVMW und IBWF organisierte Veranstaltung „Strategische Gestaltung der Digitalisierung“ statt. Neben Key-Note-Sprecher Friedhelm Kremer von der ACC Group aus Berlin stellte Knut Einfeldt von der TUTOR-CONSULT aktuelle Maßnahmen und Fördermittel in der Digitalisierung vor.

Auch wenn der Spiegel in seiner Ausgabe 22/2017 titelt: „Mit Senkblei und Simsalabim“ und ergänzt, dass Handwerker lieber analog bleiben, obwohl digitale Hilfsmittel das Bauen verbilligen könnten, erläuterte Knut Einfeldt, dass gerade das Handwerk aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und der Kostenstruktur sehr offen für neue Prozesse ist und nach den Erfahrungen der TUTOR-CONSULT in Sachen Digitalisierung weiter ist als viele andere Branchen.

Als beispielhafte Maßnahmen wurden genannt:

Dringender Nachholbedarf besteht demgegenüber im Einzelhandel. Auch wenn im zurückliegenden Geschäftsjahr noch etwa 60% der Umsätze im klassischen Einzelhandel getätigt worden sind, herrscht gerade hier, nicht zuletzt durch die großen Internetanbieter ein starker und teilweise ruinöser Verdrängungswettbewerb.

Vorteile entstehen für den, der Online- und Offline-Geschäftsmodelle miteinander verbinden kann. Hier können Punkte wie etwa gestiegene Ansprüche durch besser informierte Kunden, Wunsch nach individueller Beratung , Verfügbarkeit der Waren oder kürzere Lieferwege für die Produkte ausgenutzt werden.

Voraussetzung ist allerdings der Einsatz intelligenter Software und geeigneter Hardware. Lösungsansätze gehen dabei von der Speicherung der Kundenhistorie bis zu Spiegeln, die davorstehende Kunden anziehen.


Dabei geht es bei der Digitalisierung nicht darum das Rad neu erfinden, sondern es geht um verbesserte Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung. Das bedeutet, dass neue Geschäftsmodelle einen messbaren Einfluss auf die Gewinnsituation des Unternehmens haben müssen. Am besten und schnellsten gelingt dies nach Einschätzung von Knut Einfeldt mit einer konsequenten Ausrichtung auf die Kundeninteressen. Dabei sei gerade der Wandel im Einzelhandel größer als beim Wechsel vom Tante-Emma-Laden zum Supermarkt oder Discounter, weil die Dynamik viel größer ist.

Anwendungsbeispiele und Maßnahmen auch für kleinere Unternehmen können dabei etwa sein:

Da kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland nach den Erfahrungen der TUTOR-CONSULT in erster Linie in den erwirtschafteten Überschuss investieren, sind größere Strategiesprünge in eine digitale Welt nur schwer zu finanzieren. Hier können Fördermittel der EU, des Bundes oder auch der Länder und Kommunen helfen.

Dabei ist zu unterscheiden zwischen Fördermitteln für die Umsetzung der Digitalisierung und Zuschüssen zu den Beratungshonoraren. Zuschüsse zu den Beratungshonoraren können insbesondere für die folgenden beraterischen Themenschwerpunkte beantragt werden:

Auf europäischer Ebene wurden schwerpunktmäßig die Programme

  • Horizon 2020 (KMU-Instrument)
  • Fireware Accelerator Programme
  • COSME-Programm für Finanzintermediäre
  • Eurostars

vorgestellt. Hierbei blieb auch der teilweise hohe, mit der Antragstellung verbundene Aufwand im Vergleich zu teilweise schlechten Bewilligungsquoten nicht unerwähnt.

Neben der rein finanziellen Unterstützung des Bundes stellte Knut Einfeldt das Programm „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ als hilfreiches Instrument für kleine und mittelständische Unternehmen vor. Hierbei werden Unternehmer durch ein bundesweites Netz von Kompetenzzentren und -agenturen in der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien unterstützt.

An finanziellen Fördermöglichkeiten auf Bundesebene wurden als beispielhaft diskutiert:

  • ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand)
  • KMU-innovativ: IKT

Da die Teilnehmer neben Hamburg aus den Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen kamen, wurden folgende Länderprogramme exemplarisch vorgestellt:

  • Inno-Ramp-Up (Hamburg)
  • Betriebliche Prozess- und Organisatonsinnovation – POI (Schleswig-Holstein)
  • Innovationsförderung für KMU und Handwerk (Niedersachsen)

Als weitere Unterstützungsmöglichkeit für Unternehmer wurde der Kontakt zum Bundesarbeitskreis „Unternehmensberater mit Fördermittelkompetenz“ des IBWF empfohlen. Die Methodik des Beratungsprozesses wird hierbei durch IBWF zertifizierte Berater in Folgen Schritten angeboten:

  • Schritt 1: Analyse und Beratung zu geeigneten Maßnahmen
  • Schritt 2: Recherche und Auswahl geeigneter Förderprogramme
  • Schritt 3: Erstellen notwendiger Unterlagen
  • Schritt 4: Beantragen öffentlicher Fördermittel
  • Schritt 5: Umsetzung und Begleitung zur Zielerreichung
  • Schritt 6: Führen von Mittelverwendungsnachweisen

Im Anschluss an die Vorträge wurde bei Häppchen und Getränken angeregt von den etwa 30 teilnehmenden Unternehmern mit den Referenten diskutiert und gleich erste Termine für vertiefende Gespräche vereinbart.